Sonntag, 21. September 2014


Ich kann klar sehen, jetzt wo der Regen vorüber ist

Da mußte ich doch tatsächlich für gut zwei Wochen die Türe zum Internetbetriebsraum (s. Symbolbild) hinter mir schließen und alles mal sich selbst überlassen. Mit der frisch erworbenen Brille sah ja auf einmal alles so klar und deutlich aus. Scharf. Also schaute ich mir schnell alle Filme der letzten verschwommenen Jahre noch einmal neu an, lernte meine Grünpflanzen von einander unterscheiden, las laut glucksend die Hinweise auf den elektronischen Anzeigetafeln im öffentlichen Nahverkehr und fand die Welt neu und wie frisch gezeichnet vor. Dann klingelte ich nacheinander an den Türen meiner Exfreundinnen und stellte fest, die sind tatsächlich so hübsch, wie ich immer vermutete, kaufte dann, es geht ja kein Ding über die grüne Erde ohne Folgekosten, neue Sachen ein, die ich um meine neue Brille zu drapieren gedenke bis hinunter zu den Schuhen.

Erstmals drängten sich auch Zustände an mein nun scharfzeichnendes Auge. Das Elend der Welt, namentlich meine Fußböden. Da möchte man ja nun auch niemanden drüberkriechen sehen, nicht einmal zum Spaße. Zum Glück erlaubte es mir meine Brille, mich bis in den Westflügel meines Etablissements durchzuschlagen, wo weiland Blaubarts achte Kammer sich befand, nun aber bloß ein Abstellraum mit Kehrgerät. Alles blitzblank nun oder wie die jungen Leute sagen: tippitoppi.

Und gegen Tetanus wurde ich geimpft. War dann wohl auch nötig. Immer weitermachen.


 


Freitag, 19. September 2014


Vielleicht mal alles neu denken

Kurze Pause. Warum eigentlich. In meinem Ranzen befindet sich doch bestimmt ein Liebesbrief mit Elfenohren. Oh. Tatsächlich. Ein Liebesbrief mit Elfenohren. Und eine Packung TicTac. Kurze Pause also, geht gleich weiter. System wird gerade rebootet. Stellt euch die Welt derweil einfach mal ganz anders vor.

| von kid37 um 00:17h | 16 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Sonntag, 7. September 2014


Durch Laub rumpeln



Das Wetter heute war wirklich ausgezeichnet. Knapp vor "motschig", wie man früher bei uns gesagt hätte. Also ein bißchen feucht, aber weiß Gott nicht zu warm, mit einem schön bedeckten Himmel zudem, was ja Radfahrern und Fotografen zugleich entgegenkommt.

Der Hamburger Stadtkönig möchte ja die Gegend hier aufwerten wie es heißt, also an Investoren offerieren, die Olymiaauffangbecken und ordentlich bepreisten Wohnraum für die jetzt schon neugierig durchs Viertel cruisende SUV-Fraktion aus dem Boden betonieren. Jetzt mal neutral gesprochen, nicht daß hier Untertöne vermutet werden, wie es ab und an den Texten, die hier sprechen, vorgehalten wird.

Ich aber war nicht auf der Suche nach Betongoldabladeflächen, sondern nach Möglichkeiten für einen kleinen Retreat, der mir und meinem Seelenhaushalt sehr schmeicheln würde. Mangels finanzieller Sprungkraft reicht es bekanntlich nicht ganz zu einem Ferienhaus an der Riviera, auch wenn die Gegend um Bandol oder Sanary-sur-Mer ganz angenehm, wenngleich recht fern ist. Auch die Ostsee hat so ihre Tücken, weshalb ich zwischendurch immer mal wieder unerschrocken und alternativ nach einem erweiterten Balkon, also Kleingarten, in der Nachbarschaft schaue.

Fast hätte ich ja mal einen gekauft, standen dort doch schon schlüsselfertig eine in munteren skandinavischen Farben gestrichene Laube, drei verkommene Obstbäume und eine Fläche für die noch anzuschaffen gewesene Liege aus nachhaltig produziertem Teakholz parat. Langes Zögern und Zaudern aber ließ Gartenkonkurrenten mir zuvor kommen. Eine türkische Familie nämlich, die als Demonstration gelungener Integration als allererste Maßnahme Thuja-Gestrüpp zum Sichtschutz quer über das lauschig geschnittene Stück Toskana pflanzte und als nächstes die hübsche Skandinavienlaube in düsteres Eiche-Altdeutsch umbeizte. Eine bedenklich stimmender Kulturtransfer.

Nun bewirtschaftet man solch einen Garten ja auch nur schwerlich allein, da gehören falsche Vorstellungen gleich mal auf den Kompost. Ein Partner mit weiteren fleißigen Händen wäre hilfreich, denn es gilt, einen Spaten zu führen oder Rasenflächen nach Fifa-Regeln zu trimmen. Da wäre es zum Beispiel gut, wenn ich diese Arbeiten von meiner aus nachhaltig produziertem Teakholz gezimmerten Gartenliege beaufsichtigen und mit hilfreichen Gesten eines Zeigestocks auf übersehene Ecken oder asymmetrisch geführte Schnittkanten hinweisen könnte. Zu Zweit geht alles schneller und wenn man mir im Anschluss zum Dank für meine Hilfe ein fein abgestimmtes Sonnenuntergangsgetränk mit einem lustigen Papierschirmchen drin an meine aus nachhaltig produziertem Teakholz gewirkten Liege reichen würde, sagte ich nicht Nein, sondern munter: "Haben wir's nicht schön?"

So weit der Plan in groben Zügen. Derweil schaue ich also regelmäßig auf struppige Brachen, plane Standorte für Grill und Kofferradio, Sonnenschirme und Bikinizonen. Spanne im Geiste Federballnetze, plaziere Tore fürs Rasencroquet und reserviere Flächen fürs Tomaten- und Orchideenhaus und eine Ecke für die Honigbienen. Der innere Spaten steht sozusagen bereit. Jetzt aber erstmal Abendbrot.


 


Freitag, 29. August 2014


Einsicht, Aussicht, Durchsicht

Wenn ich morgens geweckt werde, finde ich mich ja wie in diesem Video von Ane Brun wie ein verwirrter alter Mann leicht verwirrt in der Welt wieder, kaum den eigenen Augen oder ihrer kleinbuchstabenverpixelten Sehkraft trauend.



Mein Weg heute führte mich daher für die weitere eigene Frank-Walter-Steinmeierisierung endlich zum Optiker meines Vertrauens, denn nach 15 Jahren Kid37-Brille (so stellten wir mit einem Blick auf die wohl letzte handbeschriebene Kundenkarteikarte im Wirtschaftswesen fest) ist es an der Zeit, neue Zeichen ins Gesicht zu setzen. Ich probierte also einige Ausrufezeichen und auch einige Fragezeichen aus, liebäugelte kurz, nur des Experiments halber, sogar mit einem Semikolon; das sieht bei mir merkwürdig aus. Da der Designer meiner alten Brille, ein Franzose mit vielen "i", nach Italien transferiert wurde, griff ich schließlich zum Weltmeistermodell aus hiesiger Produktion (oder jedenfalls Gestaltung) und erwarte, daß sie mich nun bis ins Finale trägt.

Oder ich sie. So rum ist es, glaube ich, richtig. Zurück in die heimischen Stallungen gekehrt, habe ich - nachdem ich das Kobe-Rind massiert und die Champagnerflaschen gedreht hatte - zur Pause ein wenig gedankenverloren auf der Straße an meinem Fahrrad gelehnt (Symbolfoto), als es (das Rad, nicht das Rind) mit metallischem Gelärme zu Boden kippte. Zwei freundliche Passantinnen eilten hinzu, die eine begab sich sogar daran, mein Rad wieder aufzurichten, "das schöne Rad, das schöne Rad!" rufend. So viel Hilfsbereitschaft und ästhetisches Bewußtsein liegt in diesem Viertel! Leider ist nun der Lenker etwas zerschrappt, das Rad folglich nicht mehr ganz so schön, aber dafür - wenn man scharf hinschaut, was ich demnächst wieder tun kann - unterscheidbar geworden. Nichts hält ewiglich, notierte ich gleich in meinen Bauernspruchkalender, der mir dereinst viel Geld und Anerkennung bringen wird, wenn ich beruflich durchgewalkt und ausgewrungen meinen Platz in der Geschichte suchen werde.

Man muß eben zur Einsicht kommen! Genauer hinschauen, die Brille mal besser als mit einem T-Shirt putzen. Denn die Wahrheit ist doch die: So wie haushaltsübliche Zollstöcke und Lineale im Kleinbereich bis ca. 30 Zentimeter grobe Ungenauigkeiten aufweisen und oft zuviel anzeigen, so aufgespreizt ist die Dichotomie zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung, gerade auch im Internet. Nehmen wir zum guten Schluß folgende beispielhafte Beispiele, repräsentativ zusammengetragen:

- wie ich mich sehe: *

- wie ihr mich seht: *

- wie ihr euch seht: *

- wie ich euch sehe: *

Denkt also immer daran, was in meinem Bauernspruchkalender steht: Man sieht nur mit der Brille gut.


 


Mittwoch, 27. August 2014


Merz/Bow, #48



Ich lese gerade im aktuellen Kultur & Gespenster. Die Ausgabe 14 erschien schon 2013 und dreht sich um Radio, dessen Theorie und dessen Verbindungen zu Spukereignissen ("Stimmen hören!") und Schizophrenie (der Fall "Schreber") - hochinteressant also, ein wenig obskur, gerade richtig für den anbrechenden Herbst und den langen Abenden vor dem wärmenden Röhrengerät. In der Ausgabe auch ein etwas beleidigt klingender Beitrag über das Gängeviertel und Subkultur per Akklamation, aber auch ein sehr launiger älterer Text von Frieder Butzmann über Punk und New Wave in Hamburg. Mehr hier: Kultur & Gespenster.

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Sonst alles gut, wie es modern heißt. Wie Sheldon Cooper auf Weichmacherdrogen übe ich mich ein wenig in sozialer Interaktion, komme folglich zu aushäusigem Abendessen und Unterhaltungsprogramm. Da ich gern den Unterhalter spiele, ist das immer gut. Das Essen oft auch.

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Bei unterschiedlichen Reparaturarbeiten bin ich aber auch zu Schnitten und Dellen, Abschabungen und Hämatomen und weiteren kutanen und subkutanen Verletzungen gekommen. Scully hätte ihre Freude an mir gehabt. (Man sieht, wie unrealistisch diese Serie ist. Das macht doch heute keiner mehr!)

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Nicht im Röhrengerät, aber über das Internet sind die Töne von Sima Kim auf A Closer Listen zu hören. Ambient für kommende Herbstabende, "Freudvoll und leidvoll", wie die Titel versprechen. Funktioniert auch ohne Weichmacherdrogen.

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Eine schöne Entdeckung ist die Internet-Radiostation Hilversum The Lake Radio, auf die Liisa aufmerksam gemacht hat. Meist sogenannte komplexe Musik, zwischendrin Wortbeiträge von Burroughs oder Robert Frost, sehr selten mal dann überraschend mainstreamiges Geklimper.

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Laura Flook, die durch die TV-Reihe Oddities bekannt wurde, schreibt was aus meinem Herzen über Klatsch & Tratsch im sozialen Treppenhaus. Das wird einige brennend interessieren und sollte es auch.

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Der Herbst kündigt sich an und bald werden wir uns draußen in ockerbunten Laubhaufen treffen, um Kastanien zu sammeln. Ich benötige dazu eine schöne Jacke, könnte natürlich aber auch warten, bis meine alten Mäntel von selbst so verwelken.

MerzBow | von kid37 um 20:37h | 7 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Sonntag, 17. August 2014


Go Ost

Auch wenn ihr euch gerade in Mirabellen und ungeschnittenen Gräsern wälzt: Nun, auf der Schwelle zum Herbst, ist es Zeit, auch einmal an später zu denken. Bislang sah mein Abend ja in etwa so aus (geplant!): A Dream within a Dream. Entspannt und lebensbejahend, aber vielleicht ein wenig dunkel.

Es geht wohl auch bunter, einen gewissen finanziell gebetteten Hintergrund vorausgesetzt. Dennoch sicher auch eine Anregung für Jedermann, vor allem für Frauen, die ein Leben jenseits von "pflegeleichten Kurzhaarfrisuren" suchen und stattdessen lieber exzentrische Hüte auf dem Kopf tragen wollen. Was man braucht? Einen Mann, der sein Geld mit Mode und Immobilieninvestitionen gemacht hat Ein Pendel, eine Karte, Hauspersonal und: Keine sauren Böden!

Beatrix Ost stammt ursprünglich aus Bayern, lebt mit ihrem findigen Ehemann Ludwig Kuttner in New York (das ist eine Stadt in den USA) und auf einem kleinen Anwesen in Charlotteville, wo die beiden offenbar altersgemäßen, exzentrischen Spaß haben. Sie, mittlerweile um die 70, ist Model, Malerin, Bildhauerin, Designerin und Schriftstellerin - was man halt so macht als Szeneikone. Ihr größtes Kunstwerk aber dürfte sie selber sein. Blaue Haare! Keine Jogginganzüge! Das ist doch schon mal ein Schritt.

>>> via Nowness


 


Samstag, 16. August 2014


Endless Summer. (Haha)

Ein gewisser Fox Mulder, Spezialagent einer größeren US-amerikanischen Regierungsbehörde, hätte sich nicht verbissener und akribischer auf diesen mysteriösen Fall stürzen können. In meine mit opthalmologischen Untersuchungszangen offengehaltene Augen werden nämlich seit Jahren Filme wie nachfolgender projiziert:

Versprechen von Sommer nennt sich das von den staatlich gelenkten Mainstreammedien unterstützte Umerziehungsprogramm. Kaum aber stürze ich mich mit meinem Board (nur ein Symbol) unter dem Arm auf die Straße, mich den leicht angemessen bekleideten Menschen dort anschließen wollend, setzt ein sturzartiger Regen ein aus dieser Wolke, die mich seit meinem 17. Lebensjahr begleitet.

Herbst. Sag ich ja. Machen wir uns nichts vor. Er ist irgendwo da draußen.

>>> via Nowness.