Montag, 12. November 2018


Candice Angélini

Neulich hatte ich ein paar Tage frei und wollte eigentlich nach Berlin an die herbstliche Küste, um einfach ein wenig in der Nachsaison rumzustehen. Etwa auf die Art, wie das Künstlerpaar Mothmeister es dann für dieses bezaubernde kleine Reisevideo gefilmt hat. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie zufällig eine solche Gestalt dort am Strand stehen sehen. Ich bin's!

Was man für einen solchen eindrucksvollen Auftritt braucht? Nun, eine Maske von Candice Angélini ist hier der Schlüssel zum Publikumserfolg. Die Französin ist mittlerweile eine Großmeisterin geworden, wenn es um in liebevoller Kleinarbeit hergestellte Ungeheuerlichkeiten wie obskuren Schmuck, obskurere Hüte oder noch obskurere Kopfverdeckungen geht. Keine Angst, kann im Grunde jeder tragen!

Hier ein kleines Filmporträt über die Künstlerin. Ich bin ganz angetan und stehe schon mal einfach so mit einer Angélini-Maske im dunklen Treppenhaus herum. Oder unten an der Ampel. Nur Mut, sage ich. Ein jeder sieht gut aus damit.

>>> Webseite Candice Angélini


 


Samstag, 10. November 2018


Wir Kassettenkinder



Derzeit bin ich in einer Phase, das eine Ding, was ich so rumstehen habe, einen Zentimeter nach links und ein anderes einen Zentimeter nach rechts zu rücken. Mal neue Perspektiven im engbegrenzten Raum des Leuchtturms schaffen. Das schafft schon Luft. Neulich aber drohte bot sich Aufräumagitatorin Frau Novemberregen an, bei mir mal auf Sortierstreife zu gehen. Da bekam ich Angst.

So habe ich heute ein wenig aufgeräumt, dabei Chemie aus meinem geheimen Forschungslabor Farben, Lacke, Fotofreunde e.V. für den Sondermüll zusammengeräumt, Grillanzünder wie Aal-Dieter, "komm hier, haste auch noch!" obendrauf, dann ging es ans Medienarchiv. Weil ich nicht gleich an die Wachswalzen aus der Frühzeit der Klangarchivierung wollte, beschloß ich, den Bestand an Magnetbandkassetten zu komprimieren. Also wegzuschmeißen. Fort. Raus. Jedoch: Herrliche Funde, allesamt! Den halben Meter Bootlegs, also Live-Mitschnitte aus der Zeit, als selbst ich noch ein Kid war, darunter einen viertel Meter von einer britschen Kombo namens The Cure, ließ ich erstmal als Memento mori zurück. Kann man ja mal eine Collage draus basteln oder in Gießharz einbetten. Auch seltene Exemplare aus der Kassettenszenen-Zeit erhalten ein Gnadenbrot. Sonst, weg.

Zum Glück war ich vor langem so schlau, mein Tapedeck aus Platzgründen in den Keller zu verfrachten. So gab es nun keine Versuchung, irgendwelche Hörproben und Rauschverkostungen anzufangen. Toll aber auch der Gang durch die Technikgeschichte. Obskure, aus Armut benutzte Markennamengratistapes ("Saba"!) und überspielte Hörspielkassetten, deren originaler Inhalt sicher interessanter wäre als das Debüt von Nichts beispielsweise ("Zehn Bier zuviel"). "Flug XS 2340 - Bitte melden!" - das will man doch jetzt wissen! In Stereo sogar, so habe ich das nie gehört (Armut).

Ein Teil dieser Kassetten fiel schon in den 80ern meiner Schönberg-Phase zum Opfer, als ich aus dem Tonkopf eines alten Walkman eine Art elektronische Geige bastelte, die man mit einem "Bogen" spielen konnte, der aus einem Holzstab bestand, auf den ein Stück Magnetband geklebt war. So konnte man dann Klänge verschiedener Höhen erzeugen, je nachdem, wie schnell man spielte und was vorher darauf aufgezeichnet war. Das versucht mal digital, Kinder. (Wo ist dieses tolle Gerät eigentlich hingekommen?!? Ich war immer so achtlos, was die Selbstmusealisierung anbelangt. Sonst, heute: Weltruhm!)

Nun aber hinweg, meine kleinen Kassettenfreunde. Oder... Moment... Weihnachten! Statt Lametta an den Baum hängen? Einen Kissenbezug für Musikfreunde draus weben und verschenken? Vielleicht sollte ich euch doch noch eine Weile aufbewahren...

Radau | von kid37 um 17:47h | 37 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Sonntag, 4. November 2018


Monatsreport

Eine Urlaubswoche rum, und was habe ich geschafft? Eine kleine Reise kurzfristig abgesagt, weil Berlin damit drohte, mir wie so oft kalten Regen ins Gesicht zu schlagen, und das kenne ich schon, das brauche ich nicht. Das wird so nichts, und ich habe da mittlerweile auch keine Geduld mehr für. Daheim allerdings läuft die Heizung auch nicht so, wie ich es kuschelig gewohnt bin. Ich fürchte, die Firma hat schon wieder gewechselt, und die neue kennt halt das diffizile, sensible, labyrinthisch gewachsene, mit zahlreichen unübersichtlichen warmen Armen durchs Gebäude mäandernde System nicht. DIE MASCHINE. Ich würde gern ein Sabbatical machen, etwas Heizungstechnik lernen und mich fortan nur noch dieser MASCHINE in einer symbiotischen Freundschaft widmen. Ich habe ein Faible für komplizierte Menschen Sachverhalte, das verleiht meinem eigenen schlichten Leben mehr Tiefe.



Wenig tiefenentspannt habe ich in meinem stattdessen angetretenen Kultururlaub die Memoiren von Cosey Fanni Tutti, bekannt von Throbbing Gristle, nach knapp einem Drittel zugeschlagen. Wenn man noch erfüllt ist von Viv Albertines großartigem Erinnerungsbuch (die Fortsetzung liegt hier noch), liegt die Latte natürlich auch hoch. Die Mitbegründerin der "Christel" hingegen, wie Industrielle zärtlich sagen, zeigt in Art Sex Music leider keinen rechten Zugriff auf ihren Stoff. Wo Albertine mit Witz und Reflektion spannende, berührende oder (selbst-)ironische Anekdoten einstreut, die sehr bildlich und immer wieder auch sehr grafisch sind und ein Verständnis verraten für das, was da gerade abgeht und welche Bedeutung es auf persönlicher und (musik-)historischer Ebene hat, leiert CFT in einem monotonen Listenton endlose Banalitäten herunter. Dann passierte dies, dann passierte das. Alles abstrakt, alles bloße Erwähnung, keine bildliche Beschreibung, kein foreshadowing, was das alles bedeuten oder andeuten könnte, keine Analyse auch, was ihr Selbstverständnis als Person und als Künstlerin eigentlich ist oder anfänglich eben noch nicht ist. Im Vergleich wirkt Viv Albertine wie eine brillant analysierende, reflektierte Karriereplanerin mit einem glasklaren Konzept über sich selbst und die Kunst, die sie machen will.

Als Forschungslektüre ist Art Sex Music leider auch wenig hilfreich, so fehlt dem Buch ein Personenregister. Kurz, ich bin von diesem Buch genervt. Manchen geht es ja mit der Musik von Throbbing Gristle so.

Positiv überrascht bin ich allerdings von We Are Gypsies Now. Danielle De Picciottos hübscher Bilderbuchbericht (ihre naiven, ornamentverzierten, zweidimensionalen Zeichnungen erinnern an Linolschnitte nd vor allem an die US-amerikanische Tradition der Legendenbilder) über Lebensentscheidungen, große und kleine Suchen und das Touren durch alle Welt ist kein happy-go-lucky-Hippie-Bericht, sondern eine teilweise erstaunlich offene und ehrliche Erlebniserzählung und Reflektion, die Erfahrungen von unterwegs immer wieder einzuordnen sucht. Stichwort: Künstlersozialkasse. Grundsympathisches Buch.

Sehr angetan bin ich seit einiger Zeit auch von der Arbeit Olga Neuwirths. Kennt ihr alle, ich weiß, aber ich habe eben lange unter einem Stein geschlafen. Die Grazer Komponistin hat sich regelmäßig mit dem Medium Film (u.a. mit David Lynchs Lost Highway) auseinandergesetzt, und ein Auszug ihrer Arbeiten gibt es in einer Doppel-DVD-Ausgabe. Die ersetzt natürlich nicht die teilweise für mehrere Monitore/Leinwände konzipierten Installationen/Screenings, aber je nun. Für trübe Tage, es regnet ja nicht mehr. Neben komplett eigenen Projekten oder solchen nach literarischen Texten (u.a. Leonora Carrington) gibt es auch Vertonungen von Stummfilmen oder Animationen der Brothers Quay zu sehen/zu hören. Reizvolle Klangexperimente für unbefangen naiv gebildete wie mich.

Kommen wir doch mal zu den Männern, die machen ja auch Kunst. L'Imbalsamatore (zum Glück mit englischen Untertiteln) vom Gomorrha- und Dogman-Regisseur Matteo Garrone ist ein hübsch fotografiertes Noir-Dreiecksdrama um einen kleinwüchsigen Tierpräparator mit Mafiaverbindungen und seiner unerfüllten Liebe zu seinem neuen schönen Assistenten, der sich wiederum in eine ebenso schöne Autowerkstattangestellte verknallt. Aufgestaute Leidenschaften, Eifersucht und ein grau-tristes Italien wie aus dem Vorstadtbilderbuch. Manchmal skurril, nicht ohne Humor, meist aber einfach nur traurig, vor allem, wenn man an die von Blödheit gekennzeichneten Lebensentscheidungen dieses bello ragazzo denkt. Super zum Sonntagskaffeeundkuchen.

Ansonsten habe ich für die Recherche zu meinem demnächst erscheinenden Debütroman Vom Schlafen in gepflegten Kleidern ein paar lose Knöpfe angenäht, viel geschlafen, um korrumpierende Erwerbsarbeit zu vergessen und rhythmische Haushaltsgymnastik (Wäsche, Böden, Fensterdichtung) betrieben, um in wohl präparierter Form zu bleiben. Nach dem Motto: Erst war dies, dann war das.


 


Montag, 29. Oktober 2018


Happy Cakes



Ich bin immer ganz beschämt, wenn sich jemand so viel Mühe macht - ein Kuchen! Mit Verzierung, auch wenn die auf dem Weg ein klein wenig gelitten hat. Aber was sage ich, angemackt wie der Jubilar! Bin eben kein Kid mehr. Also passgenau und überaus lecker. Weil ich keine Kerze hatte, habe ich einen Schirm spendiert, darunter soll niemand weinen. Apropos, Kuchen. Christine McConnell, mit der ich gerne verheiratet wäre, weil es dann JEDEN TAG Kuchen gäbe, hat jetzt ihre eigene Gruselgebäck-Serie bei einem bekannten Streaminganbieter. Ich habe keinen Streaminganbieter und keine gebügelten Tischsets, aber einen wunderbaren Kuchen.



Wenn das Jahr rund wird, kommt man auch ins Besinnen. Vor allem, wenn man dazu wegen der Zeitumstellung auch noch 25 Stunden Zeit hat, das ist ja schon mal das erste Geschenk. Jetzt hieß es aus Übersee, ich solle aber nicht gleich wieder losheulen (oder so ähnlich, ich hatte das Wörterbuch nicht am Mann), folglich dachte ich an muntere Momente. So hatte ich als junger T-Shirt-Träger zeitweise ein Faible für die Arbeiten von Adrien Sherwood. Bei dessen Projekt New Age Steppers waren bekanntlich auch Leute von The Slits dabei, deren Doku ich zuletzt mitproduziert gecrowdfunded habe. (Kommt auch ins Kino!) So hängt alles mit allem zusammen!



Als Kind aus der Krachmacherstraße wäre ich wirklich gerne runter ins Studio37 gegangen, dort wo dieses Dub- and Dancehall-Projekt aufnimmt, hätte einfach eine Gitarre vor die voll aufgedrehte Lautprecherbox gestellt - und wäre schnell weggelaufen. Tür zu! Das tolle Feedback hätte dann Adrien Sherwood aufnehmen können. Jetzt macht man heute fast alles am Computer, nur mit dem Feedback ist das schwierig. Nun habe ich mir also so ein Effektgerät zugelegt, das Rückkoppelungsgejaule wie von digitaler Zauberhand erzeugt, so daß ich auch spät abends noch unter Kopfhörer Krach machen kann, ohne daß ein SEK mit der Kündigung kommt. Eine große Freude! Ich habe mit meiner kleinen Taschenreggaeband kurz ansimuliert, wie das klingen könnte. Leute mit Ohren am Kopf werden zurecht die Nachlässigkeiten im Mix bemängeln, betrachten wir es also als Skizze und danken wir alle Gott, daß ich nicht das Karaokegerät gekauft habe. Wirklich.



Ich habe auf der Ausstellung ein Bild von Moki gekauft. Über ein anderes denke ich noch nach. Denn wie ich heute las: "Wer alles verjubelt vor seinem End, der macht das beste Testament." Jetzt einen Kaffee vom Balkan und weiter nachgedacht und Krach gemacht.

>>> Geräusch des Tages: Kid Sherwood, Studio37 #1


 


Freitag, 26. Oktober 2018


Filmabende

Der Künstler Glen Baxter hat sich auf Instagram ein wenig über mich und meine Erzählungen lustig gemacht oder die kleinen Filmabende, wie ich sie auch nenne. Da heißt es immer, ich könne so fesselnd erzählen, da ist das mit einem ganz anderen Zungenschlag gemeint. Glen Baxter, ansonsten ein guter Mann.

Instagram, eine Plattform, von der ich immer dachte, sie sei der Schnutenfotografie vorbehalten, macht mir gerade eine gewisse Freude. Wenn man die Tanga-Girls und Sportstudio-Boys ausfiltert, hat man schnell eine interessengestützte Blase beisammen aus privaten Kontakten und Künstlern aus aller Welt. Patti Smith darunter, die dort ihr kleines fotografisches Unternehmungstagebuch führt.



Die Tage werden also kühler, die Kontakte auch, die Boote sind alle fort ins Winterquartier. Müde bin ich, das ist nicht neu, stoße damit aber neuerdings jahreszeitbedingt auf Verständnis. Neulich suchte ich nach "Resthof mit drei Ziegen", so weit ist es also schon. Demnächst dann wohl: "Kleiner roter Sportwagen". Vielleicht auch erstmal "Winterdecke". Die Heizung hat mich vergessen, die Hausverwaltung auch. Derweil usselt sich das Wetter so runter, der Schokoladeschrank ist leer. Der Fernsehdoktor hat eine wichtige Nachricht gegen 19.20 Uhr: Wenn schon ein Glas Rotwein abends, dann auch "jeden Tag".

Sonst nutzt das alles dem Herzen nicht. Von Herzen nicht.


 


Donnerstag, 11. Oktober 2018


Das Leben, die Kunst



Eine Visite heute im Aktenkeller brachte mir den Namen zurück ins Gedächtnis. Eine Exfreundin von mir hatte nämlich nach dem Ende unserer Bekanntschaft eine Affäre mit einem berühmten Musiker aus Düsseldorf. Musikalisch natürlich ein Abstieg, menschlich vielleicht nicht. Fairerweise muß ich aber einräumen, daß ich musikalisch letztlich wirklich nicht viel erreicht habe, auch wenn ich in meinem Leben immerhin ein, zwei Dinge ganz gut vergeigt habe.

Bekanntlich bin ich daher lieber ein berühmter Maler geworden, und natürlich applaudierter Chansonliterat, auch wenn ich die Entbehrungen eines Lebens als Künstler nur zu gut erfahren habe. Zuletzt habe ich daher das Sammeln von Kunst begonnen, damit es, wenn man nach meinem Tod diese Wohnung aufbricht, ein großes Hallo und raunendes Fragezeichen geben wird in den Feuilletons dieser Welt, in die ich es sonst bloß in haarfeinen Bemerkungen geschafft habe.

Mit großer Begeisterung fand ich daher heute zwei limitierte Drucke von Julia Soboleva in der Post. Frau Soboleva (über)malt ein wenig mysteriös und zeigt ihre Grotesken auf Instagram. Die (auch haptische) Qualität der Gicléedrucke und des Papiers ist beeindruckend, dazu ein nettes Kärtchen, alles toll und akkurat verpackt - da könnte sich manch Händler mal ein Beispiel nehmen.

Jetzt gehe ich nur noch sauber gekämmt in den grünen Salon, in den ich die Bilder vorerst gehängt habe. Man sollte nicht weniger erhaben wirken als die Kunst, die man besitzt.

> Webseite von Julia Soboleva


 


Sonntag, 7. Oktober 2018


Fotografia della Motte



Sonntags sitze ich nach einer kleinen Runde zum Elektroschrottcontainer (anders als früher werfe ich da jetzt Zeug rein und hole nicht einfach nur was da raus, was man sicher noch gut verwenden könnte, wenn man es einfach nur ein wenig reparieren (ist sicher nicht viel dran) und in meiner kleinen Werkstatt modifizieren würde) im Easy chair, wie es weltmännisch heißt, und blättere durch die Wochenlektüre.

Etwas Neues, etwas Altes, etwas Blaues... Ich achte mit einer gewissen Akribie auf die richtigen Zusammenstellung dabei, denn Gestaltung macht auch vor den profansten Dingen im Alltag nicht Halt. Dahinter steckt die noch diffuse Idee, mich irgendwann einmal selbst recht kreativ auszudrücken zu wollen und einen Verlag für außergewöhnliche Fotobücher zu gründen. (Später, bitte keine Anfragen.)

In dieser Edition, so der Plan, werde ich vier Fotobücher (I - IV) veröffentlichen, mit exquisit ausgewählter, schwer verständlicher und noch schwerer aufzufindender Fetischfotografie, die ich - streng limitiert auf 237 Exemplare - an sehr alte, dafür aber sehr reiche Tokioter Fischgroßhändler verkaufen werde für 1500 2500 Euro das Stück. Die Aufmachung ist delikat: Einband aus gegerbten Mottenflügeln, die beim ersten Öffnen zerfallen - als Symbol für nachtbeflügelte Dekadenz und dem Ende von Allem. Wer sich jetzt noch fragte, wozu die Mottenexperimente in meinem geheimen Geheimlabor, der ahnt es jetzt und schweigt für immer.

Die Nachtfalterliteratur liegt eh im Argen. Bücher über Schmetterlinge gibt es in allen Farben des Regenbogens, aber über die in 50 unterschiedlichen Grautönen gefärbten (mein erster Verlegerwitz!) Kameraden der Nacht schweigt sich die Fotografie irgendwie aus. Bis es so weit ist, Dummys müssen gebaut, Gelder lukratiert werden, bleibe ich auf Käuferseite und unterstütze als Crowdfunder die Projekte anderer. Wie das neue Buch von Gilles Berquet Le Fétiche est une Grammaire, das ein bißchen Retrospektive bietet und einen Überblick über neuere Arbeiten, aber ganz wie Nachtfalter natürlich nicht jedermanns Sache ist. Die antiquarische, nicht übermäßig spektakulär aufgemachte Anthologie mit Zeichnungen von Franz von Bayros ist ein hübscher Rückgriff auf längst Vergangenes. Der Mann ist ja in Wien verstorben, wie überall nachzulesen ist, was ich irgendwie sehr angemessen finde in dieser Verbindung von Erotik und Tod und zwischendrin ein paar Girlanden. (Er selbst nannte es wohl, so entnehme ich der Wikipedia, "seine Verbannung". Oida. Aber offenbar war er eh ein bißchen weggetreten, mit Ansichten, mit denen man heute bei mir auch nicht punkten könnte.)

Dazu Kekse und Kaffee, etwas Herbstsonne und gepflegte Müdigkeit. Patti Smith zeigt heute bei Instagram ihre kleine Butze am Rockaway Beach. (Dazu gibt es hier ein hübsches Interview in der New York Times, das zeigt, daß ihr Artaud-Buch schon seit 2015 dort herumliegt. Ein wenig beruhigt mich das, setzt mich dieser Umstand doch in sehr gute Gesellschaft.)